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Zum Marktwert afrikanischer Literaturen in Berliner Buchhandlungen.
 

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Forschungsprojekt zur „Vermarktung afrikanischer Literaturen in Berliner Buchhandlungen“

Forschungsprojekt zur

Vermarktung afrikanischer Literaturen in Berliner Buchhandlungen“

von Meike Seewald

Über den folgenden Link gelangt ihr zu einer Online-Präsentation die ich zu diesem Projekt entworfen habe.

 http://prezi.com/9gdbaleelmkz/?utm_campaign=share&utm_medium=copy

 

1. Einführung in das Forschungsprojekt

1.1. Thema, Hypothesen, Forschungsfragen

Meine Projektthematik ordnet sich in das Sachgebiet der Rezeption afrikanischer Literaturen in Deutschland ein. Der Fokus liegt dabei auf der Distribution und Vermarktung afrikanischer Literaturen in Berliner Buchhandlungen. Dies soll in Form von Feldforschung innerhalb 10 ausgewählter Buchhandlungen betrachtet und anschließend ausgewertet werden. Zwei Forschungsfragen stehen dabei im Vordergrund und sollen beantwortet werden.

  • Wie werden afrikanische Literaturen in Berliner Buchhandlungen vermarktet?

  • Meist wird eine generelle Unterentwicklung afrikanischer Länder in sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen, aufgrund des vorherrschenden Stereotyps von Hunger und Elend in ganz Afrika (Zukunftsinstitut 2016), assoziiert. Sind von Deutschen entwickelte Stereotypen in der Vermarktung afrikanischer Literaturen in den Buchhandlungen erkennbar und, wenn ja, beeinflussen sie die Vermarktung?

Ich vermute, dass afrikanische Literaturen in den Buchhandlungen nur marginal vertrieben und vermarktet werden. Dies sehe ich in Hypothesen begründet, welche das afrikanische Werk dem westlichen Werk als nicht ebenbürtig betrachten, wodurch afrikanische Literaturen in der breiten Leserschaft Berlins bislang keinen der westlichen Literatur gleichwertigen Stellenwert erlangen konnten. Daraus resultiert meiner Meinung nach die geringe Vermarktung und Distribution dieser Literaturen in den gewählten Buchhandlungen.


1.2 Begriffsdefinition

Was sind Afrikanische Literaturen:?

Die subsaharische afrikanische Literaturverschriftlichung beginnt mit der Einführung des europäischen Schulsystems während der Kolonialzeit. Neben den von Kolonialherren über AfrikanerInnen verfassten Kolonialliteraturen, entsteht eine eigene „spezifische“ afrikanische Literatur. (Guaffo 1998, 5)

Bernard Mouralis, Spezialist für frankophone Literatur, bringt dafür das Beispiel der frankophonen Literatur an. Er unterscheidet drei Definitionsansätze für die entstehende afrikanische Literatur. (Guaffo 1998, 6)

      1. Die auf Französisch geschriebenen Literaturen werden als Teil der französischen Literatur definiert, da das literarische Feld dieser Literatur vorwiegend in Frankreich angesiedelt ist. (Guaffo 1998, 6)

      2. Die zuvor in der einheimischen Sprache existente Oralliteratur dient als Ausgangspunkt für die Verschriftlichung und die damit einhergehende Übersetzung ins Französische. Die Oralität nimmt somit Einfluss auf die entstehende Literatur und verschiebt sie in eine Übersetzung zweiten Grades, da der/die AutorIn die Literatur zunächst oral / bzw. gedanklich in der Muttersprache und dann schriftlich auf Französisch verfasst. (Guaffo 1998, 6)

      3. Das ideologische Potential der Literatur ist entscheidend, um afrikanische Literaturen als von der französischen Literatur unabhängig zu betrachten. Beispielhaft steht dafür die in den 30er Jahren auftretende militante literarische Bewegung der Négritude. (Guaffo 1998, 6-7)

Die drei Definitionsansätze (sprachlich, stilistisch, ideologisch), nach Mouralis, lassen sich zusammen mit Eileen Juliens Theorie der extroverted African novel zu einer Definition für afrikanische Literaturen für dieses Projekt nutzen.

Nach Julien gelten die afrikanischen Romane international als Aushängeschilder für afrikanische Literaturen. Sie stellt dabei in Frage, ob der Roman in der westlichen Literatur erfunden wurde, ob afrikanische Literaturen in Afrika geschrieben sein müssen und ob sie sich ausschließlich auf afrikanische Themen beziehen müssen. (Julien 2006, 669-671)

    Written by novelists who often enough are living beyond their countries’ borders, they all speak outward and represent locality to nonlocal others, be they expatriate communities abroad, other African nationals on the continent, Japanese, Europeans, Brazilians, or U.S. Students. (Julien 2006, 684)

Julien betont, dass viele afrikanische AutorInnen heute nicht mehr in ihrem Heimatland in Afrika leben und somit in der afrikanischen Diaspora schreiben. Laut Julien verfolgen sie dabei das Ziel, anderen Gesellschaften afrikanische Lokalitäten näherzubringen. Das ideologische Potential nach Mouralis ist an dieser Stelle für die Definition afrikanischer Literaturen erkennbar.

    The extroverted novel is a phenomenon of what Mary Louise Pratt calls „contact zone“, a social and, I would add, discursive space „where disparate cultures meet, clash, and grapple with each other, often in highly asymmetrical relations of domination and subordination“ (4). Without ignoring such relations of power, it is important to acknowledge the interactive, improvisational dimension of this space. Here novels, like colonial and colonized subjects, „are constituted in and by their relations to each other.“ They are characterized by „copresence, interaction, interlocking understandings and practices“ (7). I wish to foreground this interactive, dialogic dimension of African novels. (Julien 2006, 684)

Stilistisch und ideologisch: Der extrovertierte afrikanische Roman beschreibt nach Julien, dass afrikanische AutorInnen zwar der westlichen Romanform folgen, aber zeitgleich eine afrikanische Form, entsprechend dem stilistischen Merkmal nach Mouralis, als Erkennungsmerkmal für die Literaturherkunft zeigen. Dazu verfolgen sie beispielsweise ein aufklärerisches Ziel, indem sie disparative Kulturen in Kontakt und somit zum Austausch bringen. Oft wird das Mächteungleichgewicht hinsichtlich kolonialer Strukturen zwischen den kolonisierten AfrikerInnen und den Kolonisierenden dabei thematisiert.

Sprachlich und stilistisch: Dabei kommt es innerhalb des extrovertierten afrikanischen Romans zur Vermischung der modernen, globalen, westlichen Literaturform mit der Individualität der eingebrachten afrikanischen Kultur. Dies geschieht beispielsweise durch die Verbindung von Elementen aus der Oralliteratur, die dem Westen die Erkennung afrikanischer Literaturen erleichtern, mit den ehemaligen Kolonialsprachen in der Verschriftlichung.

Für dieses Projekt sind also die afrikanischen Literaturen entscheidend, die von AfrikanerInnen geschrieben wurden, international verkauft werden, sich stilistisch durch afrikanische Einflüsse für den westlichen Leser als afrikanische Literaturen erkennbar machen und das ideologische Ziel der Vermittlung afrikanischer Lokalitäten, oftmals hinsichtlich historischer Hintergründe, verfolgen. Dazu zählen ebenso Literaturen, die von AutorInnen in erster Generation der afrikanischen Diaspora geschrieben wurden.

 

Was sind Stereotypen?

Die Definition erfolgt nach Albert Guaffo, der sich in seiner Monographie Fremdheitserfahrung und literarischer Rezeptionsprozess von 1998 u.a. auf Walter Lippmann stützt.

Laut Lippmann basieren Stereotypen auf Fremdheitserfahrungen, die den Wahrnehmungsprozess mitbestimmen und somit eine konstruierte Wahrnehmung entwickeln.

Die Auseinandersetzung der Menschen mit der Außenwelt geschieht mittels Selektion. Menschen können nur einen gewissen Auszug der Wirklichkeit der Welt wahrnehmen. Die dabei entstehenden Wahrnehmungslücken werden durch die menschliche Phantasie ergänzt, wodurch es zur Entfernung von der Wirklichkeit kommt. Das Ergebnis ist die Entstehung von Stereotypen, die durch ihren Charakter der Verselbständigung die Gefahr einer allumfassend 'totalisierenden' Erklärung für den beschriebenen Sachverhalt mit sich bringen.(Guaffo 1998, 8-11)

Aufgrund der ihnen oft zugesprochenen negativen Wirkung, werden Stereotypen oft als Vorurteile betrachtet. Dies ist abhängig von der Reduktion die bei der Entwicklung des Stereotyps durchgeführt wurde. (Guaffo 1998, 8-11)

 

Das Marketing:

    Kultur-Marketing in öffentlichen Kulturbetrieben ist die Kunst, jene […] Zielgruppen zu erreichen, die aussichtsreich für das Kulturprodukt interessiert werden können, indem die entsprechenden Austauscheigenschaften (z.B. Preis, Werbung, Vertrieb, Service, usw.) dem künstlerischen Produkt […] möglichst optimal angepasst werden, um dieses mit einer entsprechenden Zahl von Nachfragern erfolgreich in Kontakt zu bringen und um die mit der allgemeinen Zielsetzung des Kulturbetriebs in Einklang stehenden Ziele zu erreichen. (Klein 2011)

 

Marketing 1: Preispolitik für Bücher – Buchpreisbindung

In Deutschland sind die Verlage nach dem Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) verpflichtet, jedem Buch einen festen Preis zu geben und jeder Händler ist verpflichtet, sich an diesen Preis zu halten. Das Buchpreisbindungsgesetz existiert seit 1888. (Lehmanns.de.2016)

Durch die Festschreibung der Preise kann die Preispolitik in der weiteren Forschung vernachlässigt werden, da sie keinen Einfluss auf die Vermarktung afrikanischer Literaturen nimmt.


Marketing 2: Distributionspolitik

Die Distributionspolitik befasst sich mit allen Vertriebskanälen die für ein Produkt genutzt werden. Der Direktvertrieb erfolgt dabei z.B. durch Künstler und Institutionen der Herstellung selbst. Der indirekte Vertrieb erfolgt durch Vertriebspartner wie Galeristen und Händler. Die Buchhandlungen nehmen in meinem Projekt die Position der Händler ein und sind somit die Vertriebspartner der Verlage zur Distribution von Büchern. Dabei stehen ihnen verschiedene Vertriebskanäle wie Galerien, das Internet, Veranstaltungen, Messen, Ausstellungen und das Ladengeschäft zur Verfügung. In meinem Projekt gilt es herauszufinden, welche Distributionswege Buchhandlungen nutzen, um afrikanische Literaturen zu vertreiben. (Klein 2011)

Marketing 3: Kommunikationspolitik

Die Kommunikationspolitik dient der Bekanntmachung des Produktes durch Events, klassische Werbung (Plakate, Anzeigen, Publikationen, Flyer, Online-Werbung und die Social Media-Kanäle. Neben dem Fokus auf die Distributionspolitik werden in diesem Projekt auch die Kommunikationsstrategien der Buchhandlungen für afrikanische Literaturen unter die Lupe genommen. (Klein 2011)


2. Afrikanische Literaturen in Berliner Buchhandlungen

2.1 Die Feldforschung

Die Thematik soll mittels Feldforschung in Berliner Buchhandlungen bearbeitet werden.

Die Buchhandlungen, als Ort meiner Forschung, bilden komplexe Räume unterschiedlichster literarischer Ausrichtungen. Die gezielte Befragung des Verkaufs-/Informationspersonals soll mir, aufgrund ihres direkten Bezuges zu den Auslagen, den Zugang zum Forschungsfeld erleichtern und mir einen ersten Einblick in das Sortiment, die Distribution und die generelle Vermarktung afrikanischer Literaturen in der jeweiligen Buchhandlung geben.

Die Spontanbefragung ist für mich als Forscherin in einem so großen Forschungsfeld und in der kurzen Bearbeitungszeit am besten realisierbar, Außerdem können Spontanbefragungen die Wirkung einer normalen Kundenberatung imitieren, wodurch die Befragten nicht unter Druck geraten und ihre Antworten als authentisch und wahrheitsgemäß betrachtet werden können. Die Gespräche sollen im Anschluss mittels Gedächtnisprotokoll wiedergegeben und wichtige Punkte für die Forschung festgehalten werden.


Fragenkatalog an die VerkäuferInnen:

  • Gibt es afrikanische Literaturen in der Auslage?

  • Wo finde ich die afrikanische Literatur in der Auslage?

  • Werden afrikanische Literaturen speziell beworben? (Lesungen, Präsentation)


Wo sollen die Befragungen stattfinden?

Die Befragungen sollen in 10 Berliner Buchhandlungen stattfinden, dessen Auswahlkriterien im folgenden aufgelistet sind:

  • Afrikabezug / Literaturschwerpunkt:

    • Galerlies Lafayette – französischsprachige Literaturen – Vermutung frankophone Literaturen

    • English Bookshop von Dussmann – internationale Ausrichtung

    • Die Buchkönigin – Fokus auf Literaturen verschiedenster Herkunftregionen (z.B. Zeruya Shalev aus Israel, Umberto Eco aus Italien, Zadie Smith aus England, Larry Tremblay aus Kanada)

  • Größe auf dem Markt:

    • Dussmann: Mitte – viele Touristen, viel Laufpublikum

    • Thalia im Alexa: Bezirk Mitte / Bezirksgrenzen: Prenzlauer Berg und Friedrichshain

    • Thalia im Gesundbrunnen Center: Mitte mit Bezirksgrenze zum Wedding

    • Hugendubel – am Hermannplatz – multikulturelles Publikum

  • Standort / Bezirk:

    • Belle-et-triste – Wedding, am afrikanischen Viertel mit viel afrikanischem Zielpublikum

    • Die Buchhandlung am Moritzplatz – in Neukölln, einem multikulturell besiedelten Bezirk

    • Tegeler Bücherstube – Tegel nahe des S-Bahnhofes mit viel Laufkundschaft


Fragenkatalog an die Auslagen:

    • Gibt es afrikanische Literaturen in der Auslage? Wenn ja, welche?

    • Von welchen AutorInnen stammen sie?

    • In welcher Sprache werden sie verkauft?

    • Wo finde ich afrikanische Literaturen in der Auslage und wie sind sie präsentiert?


Darstellung der Forschung und der Forschungsergebnisse:

Die Forschungsergebnisse werden in Form eines Online-Blogs verarbeitet, veranschaulicht und veröffentlicht. Der Blog bietet als moderne Form der Distribution den Buchhandlungen ein interessantes Feld, ihre afrikanischen Literaturen zu präsentieren und im Austausch mit anderen Buchhandlungen weiterzuentwickeln.

Vordergründig bietet der Blog an afrikanischen Literaturen interessierten Menschen die Möglichkeit, sich über den Zugang der Literaturen in Berlin zu informieren.

Als Internetportal ist der Blog dauerhaft erweiterbar, sodass immer mehr Berliner Buchhandlungen hinsichtlich ihrer afrikanischen Literaturen betrachtet und auf dem Blog ausgestellt werden können. Die Erweiterung des Blogs auf andere Städte ist dabei denkbar.

Während die Präsentation der Ergebnisse in einem Referat, einem Schriftwerk, oder einem Plakat an ein bestimmtes Fertigstellungs- bzw. Präsentationsdatum gekoppelt ist, ist die dauerhafte Betreibung des Blogs passend zur gewählten, sich stets verändernden Thematik.

 

 

2.2 Die Vermarktung afrikanischer Literaturen

 

Buchhandlung

Anzahl afrikanischer Literaturen

Anzahl afrikanischer AutorInnen

Buchhandlung am Moritzplatz

1 Buch

1 Autor

Tegeler Bücherstube

3 Bücher

3 AutorInnen

Thalia im Alexa

4 Bücher

3 AutorInnen

Thalia im Gesundbrunnen Center

6 Bücher

2 AutorInnen

Belle-et-triste

6 Bücher

3 AutorInnen

English Bookshop

6 Bücher

3 AutorInnen

Hugendubel

7 Bücher

4 AutorInnen

Die Buchkönigin

7 Bücher

6 AutorInnen

Dussmann

9 Bücher

6 AutorInnen

Lafayette

Ca. 30 Bücher

Verschiedene AutorInnen

(Tabelle 1. Menge afrikanischer Literaturen und AutorInnen in den Buchhandlungen / Tabelle: Meike Seewald)

 

Besondere Präsentation der afrikanischen Literaturen im Regal

  • Einordnung in Regalrubrik

Regalrubrik

Buchhandlung

AutorIn

Werk/-e

Belletristik

  • 2/10

Belle-et-triste

Assia Djebar

  • Oran – Algerische Nacht

  • Weißes Algerien

  • Frau ohne Begräbnis

  • Das verlorene Wort

Hamad Abdel-Samad

  • Mohamed

J.M. Coetzee

  • Die Kindheit Jesu

Buchhandlung am Moritzplatz

J.M. Coetzee – mit Paul Auster

  • Von hier nach da – Briefe 2008 – 2011

Romane (deutsch)

  • 6/10

Die Buchkönigin

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Blauer Hibiskus

J.M. Coetzee

  • Leben und Zeit des Michael K.

Sharon Dodua Otoo (Diaspora)

  • Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle

Hugendubel

Tahar Ben Jelloun

  • Sohn ihres Vaters

Nagib Machfus

  • Zuckergefäßchen

  • Cheops

Dussmann

Chinua Achebe

  • Der Pfeil Gottes

  • Heimkehr in ein freies Land

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

  • Heimsuchungen

André Brink

  • Die andere Seite der Stille

Teju Cole

  • Open City

Chigozie Obioma

  • Der dunkle Fluss

Taiye Selasi

  • Ghana must go

Thalia Gesundbrunnen Center

Chinua Achebe

  • Wie man unsere Namen schreibt

  • Heimkehr in ein fremdes Land

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Heimsuchungen

  • Americanah

Thalia im Alexa

Chinua Achebe

  • Heimkehr in ein fremdes Land

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Blauer Hibiskus

Teju Cole

  • Open City


Tegeler Bücherstube

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

J.M. Coetzee

  • Szenen aus einem Provinzleben

Chigozie Obioma

  • Der dunkle Fluss

English Books / novels

  • 5/10

Die Buchkönigin

Chimamanda Ngozi Adichie

  • The Thing around your neck

  • Half of a yellow sun

Teju Cole

  • Open City

  • Every day is for the thief

Hugendubel

Chinua Achebe

  • The African Trilogy

  • Things fall apart

English Bookshop

Chinua Achebe

  • Things fall apart

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

  • The thing around your neck

  • Purple hibiscus

  • Half of a yellow sun

Teju Cole

  • Open City

Thalia Gesundbrunnen Center

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

Thalia Alexa

Teju Cole

  • Open City

Frankophone Literatur

  • 1/10

Galeries Lafayette

Hampaté Bâ

  • Oui mon commandant!

Mehdi Charef

  • L'homme qui venait du passé

Assia Djebar

  • L'Amour

  • La fantasia

Ahmadou Kourouma

  • En attendant la vote des bêtes sauvages

Alain Mabanckou

  • Demain j'aurai vingt ans

Lèonora Miano

  • La saison l'ombre

Abdellah Taia

  • L'amrée du salut

Kateb Yacine

  • Nedjma

Literarische Biographien

  • 1/10

Dussmann

Chinua Achebe

  • Wie man unsere Namen schreibt

(Tabelle 2. Einordnung afrikanischer Literaturen und AutorInnen in die Regalrubrik / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Präsentation im Regal – frontale Einstellung des Buches

Frontales Ausstellen der Bücher im Regal – 2/10

Dussmann

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

Teju Cole

  • Open City

English Bookshop

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Half of a yellow sun

(Tabelle 3. Frontales Einstellen des Buches im Regal / Tabelle: Meike Seewald)


  • Präsentation vor dem Regal – frontales Auslegen des Buches auf dem Regalboard

Frontales Auslegen auf Regalboard – vor dem Regal auf Kniehöhe – 3/10

Belle-et-triste

Assia Djebar

  • Oran – Algerische Nacht

  • Weißes Algerien

  • Frau ohne Begräbnis

  • Das verlorene Wort

Dussmann

Taiye Selasi

  • Ghana must go

English Bookshop

Teju Cole

  • Open City

(Tabelle 4. Auslagen auf dem Regalboard / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Präsentation auf (Themen-)Ausstelltischen

Ausstelltisch

Hugendubel

  • Tischthema: Literaturen aus Skandinavien, Italien, Osteuropa, Asien und Afrika

J.M. Coetzee

  • Szenen aus einem Provinzleben

Die Buchkönigin

Marie Ndiaye

  • Ladivine

(Tabelle 5. Präsentation auf Ausstelltischen / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Fachkundiges Personal

Fachkundiges Personal

Die Buchkönigin

  • Buchempfehlungen aus verschiedenen Rubriken

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Blauer Hibiskus


Ta-Nahisi Coates – afro-amerikanischer Autor – Verteidigung der Rechte für Schwarze – keine afrikanische Literaturen, aber thematisch passend

  • Between the world and me

Sharon Dodua Otoo – Black british Writer – Diaspora

  • Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle

Marie Ndiaye – französische Autorin / französische Mutter / senegalesischer Vater – hat selbst nie im Senegal gelebt

  • Ladivine

Dussmann

Chigozie Obioma – nigerianischer Autor

  • Der dunkle Fluss

Teju Cole

  • Open City

André Brink – Hinweis weißer Südafrikaner

  • Die andere Seite der Stille

Lafayette

Empfehlung des frankophonen Regals


Tegeler Bücherstube

Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

J.M. Coetzee

  • Szenen aus einem Provinzleben

Hinweis auf größere Auswahl die sie bestellen kann:

Adichie - The Thing around your neck

Chinua Achebe - Alles zerfällt

Tahar Ben Jelloun - Papa, was ist der Islam?

(Tabelle 6. Fachkundiges Personal / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Internetvertrieb

Buchhandlung

Internetvertrieb

Buchhandlung am Moritzplatz

  • Online-Shop

Tegeler Bücherstube

  • Online-Shop

Thalia im Alexa

  • Online-Shop

Thalia im Gesundbrunnen Center

  • Online-Shop

Belle-et-triste

  • Betrachtung aller im Geschäft vorrätigen Bücher auf der Homepage + Reservierung/ Bestellung per Telefon

Die Buchkönigin

  • Vorbestellung per Internet-Kontaktformular / Telefon in der Buchhandlung

English Bookshop

  • Online-Shop über Dussmann

Hugendubel

  • Online-Shop

Dussmann

  • Online-Shop

Lafayette

  • kein Internetvertrieb, nur telefonische Auskunft & Bestellung

(Tabelle 7. Internetdistribution / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Ebooks über das Internet

Tegeler Bücherstube

  • Chigozie Obioma


  • Der dunkle Fluss

  • Tahar Ben Jelloun

  • Der Islam, der uns Angst macht

  • Eheglück

  • Sohn ihres Vaters

  • Zurückkehren

Dussmann

  • Chinua Achebe

  • Things Fall Apart

  • Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

  • Teju Cole

  • Open City

  • Chigozi Obioma

  • Der dunkle Fluss

  • Tahar Ben Jelloun

  • Eheglück

  • Verlassen

  • J.M. Coetzee

  • Waiting for the Barbarians

  • Summertime

  • Dusklands

Thalia

  • Chimamanda Ngozi Adichie

  • Mehr Feminismus!

  • Blauer Hibiskus

  • Americanah

  • Die Hälfte der Sonne

  • Chinua Achebe

  • Wie man unsere Namen schreibt

  • Der Pfeil Gottes

  • Heimkehr in ein fremdes Land

  • Einer von uns

  • Termitenhügel in der Savanne

  • Teju Cole

  • Jeder Tag gehört dem Dieb (deutsch / engl.)

  • Open City (deutsch / englisch)

Hugendubel

  • Chimamanda Ngozi Adichie

  • Blauer Hibiskus

  • Americanah

  • We should all be feminists

  • Half of a yellow sun

  • Teju Cole

  • Jeder Tag gehört dem Dieb (deutsch / engl.)

  • Open City (deutsch / englisch)

  • J.M. Coetzee

  • Die Kindheit Jesu

  • J.M. Coetzees Austerities

Die Buchhandlung am Moritzplatz

  • Chimamanda Ngozi Adichie

  • Americanah

  • Blauer Hibiskus

  • Mehr Feminismus!

  • J.M. Coetzee

  • Waiting for the Barbarians

  • Chigozie Obioma

  • Der dunkle Fluss

  • Assia Djebar

  • Algerian White

  • So vast the prison

  • Farah Nuruddin

  • Knots

  • Links

  • Helon Habila

  • Oil on Water

  • Waiting for an angel

  • Measuring time

(Tabelle 8. eBooks in den Online-Shops / Tabelle: Meike Seewald)

 

  • Veranstaltungen

Veranstaltungen

Dussmann

Kurzkonzerte mit afrikanischem Schwerpunkt

Afrikanische Lesungen in Berlin

  • Afrika-Medien-Zentrum e.V.

  • Afrika-Haus Berlin

  • IAAW

  • Haus der Kulturen der Welt

  • Internationales Literaturfestival Berlin

    → Gründe, warum Lesungen afrikanischer AutorInnen eher selten (in meinem Projekt gar nicht) in den Buchhandlungen gehalten werden

(Tabelle 9. Veranstaltungen / Tabelle: Meike Seewald)

 

    • Internetwerbung

Tegeler Bücherstube Internetseite

  • Buchtipps:

    • Chigozie Obioma – Der dunkle Fluss

(Tabelle 10. Internetwerbung / Tabelle: Meike Seewald)


Beantwortung der Forschungsfrage 1: Wie werden afrikanische Literaturen in Berliner Buchhandlungen vermarktet?


Gibt es afrikanische Literaturen in den Buchhandlungen? (Diagramm 1)

 

(Diagramm 1. Stückmenge afrikanischer AutorInnen/Werke in den Buchhandlungen / Diagramm: Meike Seewald)

 

    • in allen gewählten Buchhandlungen sind afrikanische Literaturen ausgestellt

    • in 9 der 10 Buchhandlungen (ausgenommen Lafayette) waren insgesamt 11 afrikanische AutorInnen mit 28 verschiedenen Werken zu finden, am häufigsten: (Diagramm 2)

(Diagramm 2. AutorInnen und Anzahl ihrer Werke in den Buchhandlungen / Diagramm: Meike Seewald)

 

      • 5x John Maxwell Coetzee – 2x Szenen aus einem Provinzleben

      • 5x Chimamanda Ngozi Adichie – 4x mit Americanah

      • 4x Teju Cole – 4x mit Open City

    • Lafayette bot ca. 30 Exemplare verschiedenster frankophoner Literaten, u.a.

      • Assia Djebar (Algerien)

      • Hampâté Ba (Mali)

      • Alain Mabanckou (Kongo)

      • Mehdi Charef (Algerien)

      • Ahmadou Kourouma (Elfenbeinküste)

      • Lèonora Miano (Kamerun)

      • Abdella Taia (Marokko)


In welcher Sprache werden sie verkauft? (Diagramm 3)

 

(Diagramm 3. Sprachen der afrikanischen Literaturen in den Buchhandlungen / Diagramm: Meike Seewald)

Obwohl beispielsweise die Buchhandlung am Moritzplatz mit fremdsprachigen Literaturen in Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch und Türkisch wirbt, werden afrikanische Literaturen in Berlin hauptsächlich in Deutsch ausgestellt

  • 24 der 28 Werke werden in Deutsch verkauft

    • Tahar Ben Jelloun – Eheglück

    • John Maxwell Coetzee – Die Kinder Jesu

    • Chigozie Obioma – Der dunkle Fluss

  • 8 der Werke gibt es (auch) auf Englisch

    • Teju Cole – Open City

    • Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah

    • Chinua Achebe – Things Fall Apart

  • ca. 30 Werke bei Lafayette ausschließlich auf Französisch

    • Alain Mabanckou – Demain j'aurai vingt ans

    • Mehdi Charef – L'homme qui venait du passé

    • Léonora Miano – La saison de l'ombre


Wo finde ich afrikanische Literaturen in der Buchhandlung und wie sind sie präsentiert? (Diagramm 4)

 

(Diagramm 4. Marketingwerkzeuge für afrikanische Literaturen in den Buchhandlungen / Diagramm: Meike Seewald)


Distributionspolitik

Kommunikationspolitik


Genutzt

  • Regalrubrik

  • Frontales Einstellen im Regal

  • Regalboard

  • Ausstelltisch

  • Online-Shop

  • eBook

  • Fachkundiges Personal

  • Internetwerbung: Buchtipps – Tegeler Bücherstube: Chigozie Obioma – der dunkle Fluss

Nicht genutzt

  • Schaufensterauslagen

  • Veranstaltungen

    • 2014/15 keine Lesungen über afrikanische Literaturen bzw. von afrikanischen AutorInnen gefunden
    • Literaturzirkel – Die Buchkönigin

    • Leseclub – Tegeler Bücherstube

  • Werbemittel

  • Online-Werbung / Social Media – Facebook/Twitter/Blog/Homepage: werden genutzt, wenn neue afrikanische Literaturen in das Sortiment aufgenommen werden

  • Leserempfehlungen


3. Auswertung der Forschungsergebnisse und ihre Einordnung in den theoretischen Teil

Hypothese 1: Marginaler Vertrieb und marginale Vermarktung

Marginaler Vertrieb (Distributionspolitik):

Die Buchhandlungen schöpfen bis auf die Schaufensterauslagen sämtliche Distributionswege, die sie auch für die anderen Literaturen ihrer Auslage verwenden, in den Buchhandlungen aus, um afrikanische Literaturen zu vertreiben. Zwar ist die Gesamtmenge der afrikanischen Literaturen in der jeweiligen Buchhandlung im Verhältnis zum gesamten Literaturangebot sehr gering, umso mehr fallen aber die verschiedenen genutzten Distributionswege für afrikanische Literaturen ins Auge. Dazu gehört die den anderen Literaturen gleichwertige Einordnung afrikanischer Literaturen in die gängigen Regalrubriken, aber auch die Hervorhebung der Literaturen durch die besondere Einstellform im oder vor dem Regal, bzw. auf Ausstelltischen.

Besonders überzeugt hat das Fachwissen des Personals bezüglich afrikanischer Literaturen in vier der sechs Buchhandlungen. Ein marginaler Vertrieb kann also nur hinsichtlich der Menge der ausgestellten Literatur, nicht aber hinsichtlich der benutzten Distributionswege erkannt werden.


Marginale Vermarktung (Kommunikationspolitik):

Anders sieht es bei der Kommunikationspolitik für afrikanische Literaturen aus. Nur die Tegeler Bücherstube hat z.B. mittels Internetwerbung in Form eines Buchtipps auf ein afrikanisches Werk hingewiesen. Ansonsten werden Kommunikationswerkzeuge nicht für die afrikanischen Literaturen verwendet, sodass hier meine Hypothese nach einer marginalen Vermarktung belegt wurde.

Die unterschiedliche Nutzung von Distributions- und Kommunikationspolitik für die Vermarktung afrikanischer Literaturen vermute ich darin begründet, dass die Kommunikationspolitik mit Geldinvestitionen verbunden ist, während die Distribution in der Buchhandlung ohne Ausgaben ausgeschöpft werden kann. Die Hemmschwelle, für afrikanische Literaturen Werbegelder auszugeben, ist vermutlich darin begründet, dass die Distributeure die Gelder lieber für Literaturen bekannterer, westlicher AutorInnen ausgeben, da sie sich von diesen höhere Gewinne versprechen. Diese Einstellung vermute ich ebenfalls in Stereotypen verankert, welche ich im Anschluss ausführe.


Hypothese 2 und Forschungsfrage 2: Stereotypen

Meist wird eine generelle Unterentwicklung afrikanischer Länder in allen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen, aufgrund des vorherrschenden Stereotyps von Hunger und Elend in ganz Afrika (Zukunftsinstitut 2016), assoziiert. Kann man solche stereotypisch begründeten Annahmen in der Vermarktung afrikanischer Literaturen in den Buchhandlungen erkennen?


Die Menge der afrikanischen Literaturen in den Buchhandlungen

Die anhand der Umfrage von 2013 des Zukunftsinstituts dargestellten Stereotypen Hunger (47%), Aids (10%) und Korruption (8%) mit denen die meisten Deutschen Afrika assoziieren, stellen negativ konnotierte Beschreibungen dar, die Elend und Armut und daraus resultierend Unterentwicklung in ganz Afrika implizieren. Die neutralere Stereotypen der Deutschen zu Afrika waren in der Umfrage Fußball mit 10% und Safari mit 8%. Dennoch sind sämtliche Stereotypen reduktionistisch.

Die Umfrage zeigt, dass die Mehrzahl der Deutschen den AfrikanerInnen und dem gesamten afrikanischen Kontinent keine bedeutende Entwicklung zuschreiben. In erster Linie wird das Stereotyp des Elends und damit verbunden der Unterentwicklung gebildet. So ist anzunehmen, dass die meisten Deutschen den AfrikanerInnen auch im Bereich Bildung und insbesondere Literatur kein Augenmerk schenken, da sie diese entweder nicht als nennenswert betrachten, oder als gar nicht existent wahrnehmen. Diese Missachtung afrikanischer Entwicklung und afrikanischer Kulturen im Stereotyp der Unterentwicklung begründet meines Erachtens, warum afrikanische Literaturen in Berliner Buchhandlungen bislang nur in sehr geringem Umfang vertrieben werden.

Das Genre der afrikanischen Literaturen in den Buchhandlungen

Bis auf die Regalrubrik Literarische Biographien bei Dussmann zum Vertrieb Chinua Achebes Wie man unsere Namen schreibt und der Klassifizierung der frankophonen Literatur im Lafayette, wurden sämtliche afrikanische Literaturen meines Projektes in der Rubrik Romane oder novels bzw. english books – novels gefunden. Dies bestätigt Juliens Aussage, dass afrikanische Romane international bislang als Aushängeschilder für afrikanische Literaturen betrachtet werden.

Jedoch beginnt das deutsche Literaturangebot sich auch auf afrikanische Literaturen anderer Genres auszurichten. Dies zeigt sich beispielsweise mit Achebes Wie man unsere Namen schreibt in der Rubrik der literarischen Biographien bei Dussmann. Dort wurde mir beispielsweise auch Meja Mwangis Kriminalroman Die Wilderer empfohlen, welcher an diesem Tag zwar ausverkauft war, aber generell in der Krimiabteilung zu erhalten ist. Dussmann scheint in dieser Hinsicht eine Vorreiter Position einzunehmen, denn bei keiner anderen Buchhandlung, ausgenommen Lafayette, fand ich afrikanische Literaturen in einer anderen Regalrubrik, beziehungsweise wurden mir afrikanische Literaturen in anderen Regalrubriken empfohlen, außer im deutsch- oder englischsprachigen Romanregal.

 

Die Sprache der afrikanischen Literaturen in den Buchhandlungen

Alle Werke werden in den 10 Buchhandlungen in Deutsch, Englisch, oder bei Lafayette in Französisch vertrieben. Zwar lässt die Existenz der in vielen Buchhandlungen immer öfter verwendeten Regalrubrik english books / novels erkennen, dass die Menge englischsprachiger Werke in den Buchhandlungen deutlich steigt, dennoch werden die meisten afrikanischen Werke bislang in der deutschen Übersetzung vertrieben. Dies ist natürlich darin begründet, dass Deutschland ein deutschsprachiges Land ist und der Vertrieb deutschsprachiger Werke den höchsten Absatz verspricht. Die gewählte Sprache ist demnach auch ein Mittel für eine erfolgreiche Distribution afrikanischer Werke in Berliner Buchhandlungen.

Der Nachteil dabei jedoch ist, dass diese Ausgaben, nach der Definition von Mouralis', bereits Übersetzungen dritten Grades sind. Übersetzungen begründen stets Abweichungen vom ursprünglichen Text, wodurch sprachliche, stilistische und ideologische Veränderungen auftreten können und das Werk somit entfremdet wird. Der Umschwung auf den Vertrieb englischsprachiger Werke ist da von Vorteil und lässt ein Umdenken der Distributeure und Verlage hinsichtlich des Erhalts der Originalliteratur erkennen.

Der Stereotyp der Angleichung afrikanischer Schriftkulturen durch das Übersetzen in die deutsche Landessprache wird damit allmählich versucht zu umgehen, die Ursprungsliteratur gewürdigt und dem Leser zugänglich gemacht, sodass Verfälschungen vom Leser durch den möglichen Vergleich der deutschen und englischen Übersetzung erkannt werden können.

Lafayette nimmt in dieser Kategorie eine Sonderrolle ein. Mit ihrer Ausrichtung auf französische Literaturen hat sich die Buchhandlung der Versorgung des in Berlin wachsenden französisch-sprachigen Publikums verschrieben. Die gewählte Zielgruppe der Buchhandlung ist demnach entscheidend für die Sprachen der vertriebenen Bücher.

 

Buchempfehlungen der VerkäuferInnen: Stereotyp – Schwarze AutorInnen = afrikanische Literatur

Auffällig war die durch die VerkäuferInnen gebrauchte Definition afrikanischer Literaturen bzw. afrikanischer AutorInnen. Beispielsweise wurden mir in der Buchkönigin Ta-Nehisi Coates und Marie NDiaye als afrikanische AutorInnen empfohlen.

  • Ta-Nehisi Coates ist am 30. September 1975 in Baltimore in der USA geboren und arbeitet als Journalist und Buchautor. Auch seine Eltern sind in Baltimore geboren. Coates Vater William Paul Coates setzt sich Zeit seines Lebens für die Situation schwarzer AmerikanerInnen ein. Ta-Nahisi Coates thematisiert diesen Sachverhalt in seinen Büchern. Coates ist demnach kein Afrikaner und schreibt auch nicht in der afrikanischen Diaspora erster Generation. (Bradford-delong 2008)

  • Marie NDiaye ist eine französische Schriftstellerin. Sie wurde am 4. Juni 1967 in Frankreich geboren und schrieb zum Beispiel den mir empfohlenen Roman Ladivine. Neben ihren Romanen schreibt sie auch Theaterstücke wie Hilda und Toute vérité. Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater ist Senegalese. Er verließ die Familie, als Marie NDiaye noch im Säuglingsalter war und kehrte in den Senegal zurück. (Radisch 2010)

Sowohl Coates als auch NDiaye wurden mir als afrikanische Autoren empfohlen, obwohl sie hinsichtlich meiner Recherche keine Afrikaner und keine Afrikanerin sind und auch keinen kulturellen Bezug zu Afrika haben. Zwar befasst sich Coates mit der Thematik der schwarzen AmerikanerInnen, wodurch eine Schnittstelle zur Sklaverei und somit zu Afrika gezogen wird, aber seine Literatur und seine Herkunft entsprechen nicht der von mir eingangs gewählten Definition afrikanischer Literaturen.

Marie NDiaye hat zwar einen senegalesischen Vater, hat aber selbst nie im Senegal gelebt. Ihr Vater verließ sie im Säuglingsalter, sodass sie von ihm keine kulturell senegalesischen Einflüsse erfahren hat. Sie sieht sich daher selbst nicht als afrikanische Autorin / afrikanisch-diasporische Autorin und möchte auch nicht als solche bezeichnet werden.

Ich vermute, dass entweder die Hautfarbe und/oder die behandelten Themen beider Autoren für die Verkäuferin ausschlaggebend waren, sie als afrikanisch zu definieren und somit die entstandene Buchempfehlung auf meine Frage nach afrikanischen Literaturen resultierte. Der Stereotyp, dass Schwarze gleichzusetzen mit AfrikanerInnen sind, beeinflusst hier die Empfehlung der Verkäuferin.


Warum tauchen bestimmte AutorInnen im Gegensatz zu anderen afrikanischen AutorInnen verhältnismäßig oft auf?

Trotz der erkannten Problematik, dass afrikanische Literaturen nur in geringem Maß und mit nahezu keiner Kommunikationspolitik in den Buchhandlungen ausgestellt werden, gibt es drei AutorInnen die in den meisten betrachteten Buchhandlungen ausgelegt sind.

  • Chimamanda Ngozi Adichie wurde am 15. September 1977 in Nigeria geboren. Heute lebt sie in Nigeria und den USA. Ihre Werke wurden in bis zu 30 Sprachen übersetzt. Adichie gewann zahlreiche Literaturpreise wie den Commonwealth Writers' Prize für ihren Roman Purple Hibiscus und den Orange Prize für Half of a yellow sun. (Chimamanda 2007-2016)

  • Teju Cole wurde 1975 in den USA als Kind nigerianischer Eltern geboren und wuchs anschließend in Nigeria auf. Er arbeitet als Autor, Historiker und Photograf. Bislang veröffentlichte er zwei Bücher, eine Novelle namens Every day is for the thief und den Roman Open City. Neben vielen anderen Preisen gewann er den Internationalen Literaturpreis. Er arbeitet für viele große Zeitungen wie der New York Times und der Financial Times. (Cole)

  • John Maxwell Coetzee wurde am 9. Februar 1940 in Kapstadt in Südafrika geboren. Er wuchs in Südafrika auf und ging zur Universität. Mit 22 Jahren ging er für drei Jahre nach England und arbeitete unter anderem für den englischen Romanschriftsteller Ford Madox Ford. Mit Life & Times of Michael K. und Disgrace gewann er den Britischen Buchpreis und mit Waiting for the Barabrians gewann er als Literat internationale Anerkennung. Seine größte Auszeichnung ist der 2003 erhaltene Literaturnobelpreis. (The Nobel Foundation 2003)

Der internationale Bekanntheitsgrad der Autoren und der Autorin durch die Literaturpreisauszeichnung veranlasst demnach die Buchhandlungen zur Distribution dieser, anstelle anderer afrikanischer AutorInnen. Von dem hohen Stellenwert der Literaturauszeichnungen für die Werke und die AutorInnen, versprechen sich die Buchhandlungen bessere Distributionschancen, als von afrikanischen AutorInnen, die ohne Auszeichnungen der internationalen Literaturszene noch unbekannt sind. Der Literaturpreis dient hier für das Marketing als Kommunikationswerkzeug. Die Literaturpreise vermitteln dem potentiellen Kunden einen gewissen Standard von sehr guter Literatur, entheben damit die Macht der Stereotypen über afrikanische Literaturen in Deutschland und erhöhen somit die Vertriebschancen für die Buchhandlungen.


4. Fazit und Vorausschau auf weiterführende Forschung

Zusammenfassend ist zu sagen, dass afrikanische Literaturen in allen Buchhandlungen vorzufinden waren. Auffällig dabei war die geringe Menge verschiedener AutorInnen und Werke in den Auslagen und die geringe Kommunikationspolitik, die für diese Werke aufgebracht wurde im Gegensatz zu den weit ausgeschöpften Distributionswegen in den Buchhandlungen.

Der Grund für diese unverhältnismäßige Verteilung an Distribution und Kommunikation für die Vermarktung afrikanischer Literaturen ist darin begründet, dass Kommunikationspolitik Geld kostet, während Distribution ohne Gelder funktionieren kann. Dies zeigt sich auch in dem aufgezeigten Feld der eBooks, die von den meisten Buchhandlungen über das Internet vertrieben werden und somit in der Buchhandlung keine Gelder für Kommunikationsstrategien in Anspruch nehmen.

Die Hemmschwelle, Gelder für die Bewerbung afrikanischer Literaturen auszugeben, sehe ich in Stereotypen begründet. Der Stereotyp des Elends, aus dem die Annahme von Unterentwicklung ganz Afrikas abgeleitet werden kann, grenzt die Menge und das Genre afrikanischer Literaturen in der Auslage stark ein. Ebenso verfälscht der Stereotyp, dass schwarze Menschen gleichzusetzen sind mit AfrikanerInnen, die Empfehlung von afrikanischen Literaturen.

Neben dieser stereotypisch begründeten Beschränkung bzw. Verfälschung afrikanischer Literaturen in den Auslagen, entdeckte ich ein Ausbrechen aus diesen Stereotypen.

Zum einen beginnt Dussmann die Beschränkung afrikanischer Literaturen auf Romane aufzuheben, indem es afrikanische Literaturen auch in den Rubriken literarische Biographien und Kriminalromane vertreibt. Zum anderen entmächtigen Literaturpreise den Stereotyp der Unterentwicklung durch ihren vermittelten Anspruch hoher literarischer Arbeit, womit das afrikanische Werk einen neuen Stellenwert in der Literaturvermarktung erhält.

Stereotypen begründen demnach die Menge afrikanischer Literaturen in den Buchhandlungen und produzieren das Bild, afrikanische Literaturen seien dem westlichen Werk nicht ebenbürtig. Die Auszeichnungen durch Literaturpreise schaffen es aber, die Stereotypen zu überwinden und das afrikanische Werk als literarisch ansprechend zu präsentieren.

Die von mir gewählte Projektthematik der afrikanischen Literaturen in Berliner Buchhandlungen lässt sich durch die Auswahl weiterer Buchhandlungen Berlins erweitern. Interessant wäre auch ein Vergleich der Vermarktung afrikanischer Literaturen in Berliner Buchhandlungen mit internationalen Städten wie Paris und London, um Erkenntnisse über eine mögliche unterschiedliche Gewichtung afrikanischer Literaturen in den Buchhandlungen zu erhalten.

 

Bibliographie:

  • About Chimamanda. 2007-2016. “Chimamanda Adichie.“ Accessed January 26. 2016. http://chimamanda.com/.
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  • Dussmann. 2016. “Dussmann das Kulturkaufhaus.“ Accessed January 26. 2016. www.kulturkaufhaus.de.
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5.2.16 11:53

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